Kinder für Abrüstung und Frieden

Veranstaltung: Frieden schaffen ohne Waffen

Am 3. Jänner fand eine Informations- und Diskussionsveranstaltung „Frieden schaffen ohne Waffen. Pazifistische Perspektiven jenseits von Wehrpflicht und Berufsheer“ in Linz statt. Bericht und Fotos findest du hier.

Am 20. Jänner findet die Volksbefragung „Berufsheer oder Wehrpflicht?“ statt. Wir Rote Falken treten schon seit jeher für Frieden und Abrüstung ein und haben bei der letzten Bundeskonferenz (erneut) beschlossen, für die generelle Abschaffung des Heeres einzutreten und gegen die Einführung eines Berufsheers zu kämpfen. Aber es sind noch viele Fragen offen und so manche Details unbekannt. Daher trafen wir uns am 3. Jänner zur Informations- und Diskussionsveranstaltung „Frieden schaffen ohne Waffen. Pazifistische Perspektiven jenseits von Wehrpflicht und Berufsheer“. Von Jugendlichen über Falken-Gruppenleitende, bis zum Vater von Falkenkids waren verschiedenste Teilnehmer/innen vertreten.

Zu Beginn referierte Boris Lechthaler von der Solidarwerkstatt Linz: Fakten und Zusammenhänge von Krieg, Frieden, Militarisierung und Heerespolitik wurden dargestellt. Es entstanden bereits im Vorfeld rege Diskussionen und wir konnten interessante Erkenntnisse gewinnen. Im Anschluss beschäftigten die TeilnehmerInnen sich in Kleingruppen mit Fragen wie „Frauen und Krieg?“, „Gibt  es gerechte Kriege?“ oder „Gefahren eines Berufsheeres?“.

Zu „Frauen und Krieg“ wurden folgende Fragen debattiert: Welche Bilder haben wir von Frauen & Krieg im Kopf? Welche Rollen nehmen Frauen in Kriegen tatsächlich ein? Das Eingangs als Diskussions-Anregungs-Spiel geführte Sammeln von „pro“ und „contra“ zur Behauptung „Mit mehr Frauen an der Macht gäbe es weniger Kriege“ wurde dann doch ausführlicher debattiert – ein „Friedensgen“ haben Frauen aber freilich nicht eingebaut. So schlussfolgerte die Gruppe, dass im heutigen System Frauen ähnliche Rollen wie Männer, auch in der Kriegsführung einnehmen, wenn sie in entsprechende Positionen kommen (Beispiel: Condoleezza Rice oder Lynndie England). Auch durch die Debatte mit Boris Lechthaler konnte aber festgestellt werden, dass Gesellschaften, die Demokratisierungsprozesse erleben (soziale Bewegungen, Protestkultur…) weniger an militärischen Konflikten beteiligt sind. So schließen wir, wie die Friedensforscherin Mary Caprioli festgestellt hat, dass „ein hohes Maß an Geschlechtergerechtigkeit innerhalb einer Gesellschaft in direktem Zusammenhang mit einer geringen Neigung zu gewaltsamen Konflikten steht und umgekehrt“.

Die Debatte um „Gibt es gerechte Kriege?“ stellte sich als eine recht philosophische dar. In erster Linie liegt hier die Schwierigkeit in der Definition von „gerecht“, denn in Konfliktsituationen ist Gerechtigkeit ja eine Ansichtssache der verfeindeten Lager. So möchte jede Seite für sich beanspruchen, die Wahrheit zu kennen und ein klares Feindbild zeichnen zu können. Medien können auch keinen sachlichen Bericht bringen, denn auch sie sind nicht ganz objektiv.  An Beispielen aktueller sowie historischer Kriegsherde wurde überlegt, ob hier eine Intervention der UNO gerechtfertigt war/ist/wäre. Allgemein legte diese Kleingruppe in ihrer Diskussion große Hoffnung in eine demokratisierte UNO, von der etwa die momentane Möglichkeit eines „Veto“ der Supermächte kritisiert wurde. Schlussendlich einigte sich die Gruppe, dass es keinen gerechten Krieg geben kann.

Die dritte Kleingruppendiskussion befasste sich mit „Gefahren eines Berufsheeres“. Zuerst wurde festgestellt, dass durch die Schaffung eines Berufsheeres die öffentliche Einsicht in die Institution genommen wird. Kritisierbare Vorgänge im Bundesheer kommen momentan eher ans Tageslicht, weil breite Bevölkerungsschichten durch die Wehrpflicht involviert sind. Weiters debattierte die Gruppe, dass es bei einem Berufsheer auch dazu kommen könnte, dass das Heer nicht im Sinne der Bevölkerung handelt, sondern Eliten wie Wirtschaft, Waffenkonzerne oder die Forderungen der EU an gemeinsamen Kampfeinsätzen zentraler werden. Die Gruppe zog außerdem Vergleiche mit bereits bestehenden Berufsheeren – so besteht die Gefahr, dass sich für ein Berufsheer nur bestimmte Bevölkerungsgruppen melden könnten, die – siehe Amerika oder Spanien (welches gerade in Südamerika Werbung für das Heer macht und Menschen einen Aufenthaltsgenehmigung im Land verspricht) – wenig andere Alternativen haben. Gibt es zu wenige Bewerber/innen bestünde außerdem die Gefahr, dass die Kriterien zur Aufnahme herabgesetzt werden könnten. Die Gefahr, dass Österreich mit einem Berufsheer vermehrt zu verpflichtenden Einsätzen im Ausland (wie mit der EU-Battle-Group) herangezogen werden könnten, besorgte alle Anwesenden.

Wenn du weitere Standpunkte der Roten Falken zum Thema lesen möchtest, empfehlen wir den Artikel „Wehrpflichtdebatte: Frieden schaffen ohne Waffen! Friedenspolitische Positionen zur Berufsheer-Debatte“ auf unserer Homepage.

 

Eine weitere Veranstaltung zum Thema findet auch in Wien statt: Am 15. Jänner um 18 Uhr in der RF Landesorganisation Albertgasse 23, 1080 Wien. Komm vorbei!

 

Literaturempfehlung:

Zum Downloaden auf http://www.politik-lernen.at/site/gratisshop/shop.item/105888.html: polis aktuell 2010/8: Krieg und bewaffnete Konflikte – ohne Frauen kein Frieden?!

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