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Resilienz

Du schaffst das! Wie aus Kindern widerstandsfähige Erwachsene werden. Mit Inputs von Werner Leixnering und Leslie Jäger

Wie kann es sein, dass manche Erwachsene mit den schwierigsten Herausforderungen scheinbar spielend fertigwerden, und andere durch relativ harmlose Unwägbarkeiten aus ihrem seelischen Gleichgewicht geworfen werden? Was können Eltern und Bezugspersonen dazu beitragen, dass ihnen anvertraute Kinder zu widerstandsfähigen Menschen heranwachsen, die auch aus belastenden Situationen und Schicksalsschlägen gestärkt herauskommen?

Diese und andere Fragen behandelt Leslie Jäger in ihren Elternbildungsseminaren mit dem Titel „Sicher, mutig, stark – Zauberwort Resilienz“. „Resilienz ist DIE Kernkompetenz, die Eltern und pädagogisches Personal vermitteln sollten“, ist die Pädagogin und Elternbildnerin überzeugt. Unter Resilienz versteht sie die „emotionale Widerstandsfähigkeit, den Schutzschirm, die Fähigkeit, dass wir schwierige, traumatische Erlebnisse und Erfahrungen positiv bewältigen und gestärkt daraus hervorgehen können“.

Misserfolge aushalten lernen

Diese Fähigkeit sei nichts Vererbtes, betont Leslie Jäger. Kinder lernen mit jedem Hindernis, das sie bewältigen, mit jeder Schwierigkeit, der sie sich stellen müssen etwas dazu. Dass es dabei nicht nur schön, lustig und erfreulich zugeht, ist klar, denn wer probiert, wird auch scheitern. Kinder lernen, Misserfolge zu bewältigen und dabei brauchen sie Eltern, die das aushalten. „Eltern die ihren Kindern beim ersten Problem die Steine aus dem Weg räumen, nehmen ihnen wichtige Lernerfahrungen und Entwicklungsmöglichkeiten“, ist auch Diplomsozialarbeiterin und Kinderfreunde-Geschäftsführerin Simone Diensthuber überzeugt.

Eltern, die begleiten

Bei mitunter schmerzhaften Lernprozessen sollten Eltern durchaus Mitgefühl zeigen, meint Leslie Jäger. „Nicht mitleidig, sondern mitfühlend sollten Eltern ihre Kinder begleiten“, wichtig sei auch, die eigene Vorbildfunktion immer vor Augen zu haben. „Wenn Eltern Sicherheit vorleben, dienen sie als gutes Modell“.

Eltern, an denen sich Kinder reiben

Wer zum Beispiel einen positiven Zugang zur Trotzphase hat, sie als Zeichen des steigenden Selbstbewusstseins des Kindes und als enorm wichtigen Entwicklungsschritt sehen kann, hat schon einen wichtigen Beitrag zum Zuwachs der kindlichen Widerstandsfähigkeit getan. „Wenn Kinder sich an Erwachsenen reiben, werden sie stark, die bewältigte Frustration hilft ihnen, zu wachsen“, ist Leslie Jäger überzeugt.

Kinderfreunde bieten Lernorte

Das Thema Resilienz ist den Kinderfreunden seit jeher wichtig, heißt es doch auch in deren „Pädagogischen Prinzipien“: „Aufgabe der Kinderfreunde ist es, Kindern vielfältige und herausfordernde Lernorte zu bieten und ihre soziale Entwicklung auf unterschiedlichen Ebenen zu unterstützen.“ Elternbildungsangebote wie das von Leslie Jäger sind ein ganz wichtiges Element im Bestreben, Kinder stark zu machen.

„Stabile Bindungen tragen wesentlich dazu bei, dass Kinder und Jugendliche seelisch ‚stark‘ werden, Selbstwert entwickeln und ihr Gefühlsleben regulieren können. Wichtig ist auch ein gesundes, förderndes, aber nicht überforderndes ‚Erziehungsklima‘. Darüber hinaus gilt es, soziale und ökonomische Rahmenbedingen sicher zu stellen, die es Eltern und Hauptbezugspersonen ermöglichen, ihre persönlichen Ressourcen zur Entwicklung des genannten gedeihlichen Erziehungsklimas entfalten zu können.“ (Quelle: www.eltern-bildung.at)

Werner Leixnering
Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Facharzt für Psychiatrie und psychotherapeutische Medizin, Psychotherapeut

 

Was Kinder brauchen, sind Menschen, die sie in ihrer Entwicklung gut begleiten. Menschen die in die Fähigkeiten der Kinder Vertrauen haben, die zulassen, dass die Kinder ihre Erfahrungen selbst machen. Denn eines ist klar: Erfahrungen vererben sich nicht und Kinder lernen durch die praktische Bewältigung von Herausforderungen.“

Leslie Jäger

Pädagogin, Elternbildnerin und Organisatorin der Feriencamps der Kinderfreunde OÖ.

(Ein Artikel aus der Kinderfreunde-Zeitung)

 

Hier geht's zu den zugehörigen Artikeln:

Teil 5: Facebook, Internet & Co / Patricia Groiß

Teil 4: Suchtfreies Leben / Thomas Wögerbauer / Alfred Hager

Teil 3: Sexualerziehung / Gisela Grassl / Kristina Strauß-Botka

Teil 1: Beziehungsorientierte Erziehung / Ruth Karner

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