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Erster Schultag mit vielen Änderungen

Nach einer zweimonatigen „Homeschooling“-Phase, startet für rund 60.000 Volkschüler und Volksschülerinnen am 18.5. wieder der Unterricht. Die Auflagen sind streng, der reguläre Ablauf völlig anders: Mund/Nasenschutz, verstärkte Hygienemaßnahmen, Abstand zu den Freunden, wechselnder Rhythmus der Schultage, kleinere Gruppen und vieles mehr. All das kann bei kleineren Kindern, aber auch bei den Eltern zu großer Verunsicherung führen. Die Kinderfreunde haben bei Elternbildnerin und Pädagogin Daniela Struc nachgefragt, wie sich Familien auf die neue Situation einstellen können. Ihr Experten-Tipp vorab: „Gerade zu Beginn braucht es ganz viel Ruhe, Geduld und Verständnis“.

Kinderfreunde: Wie können Eltern ihre Kinder nun bestmöglich für die Schule und die neuen Situationen vorbereiten?

Daniela Struc: Es ist wichtig, dass sich Familien ausreichend Zeit nehmen, um sich auf die neue Situation einzustellen. Es darf auch mal was schiefgehen, die gute Laune wird nicht gleich am ersten Tag um 6.30 Uhr morgens mit dabei sein und das richtige Mathematikheft wahrscheinlich auch nicht. Aber so geht es allen Eltern und Kindern. Am Wichtigsten ist es, die Kinder nach dieser langen Pause langsam wieder in das neue System einzugewöhnen. Sie brauchen weiterhin klare Strukturen und viele Gespräche. Abends kann etwa der Tag nochmals nach besprochen werden.

Kinderfreunde: Wie können (kleinere) Kinder hinsichtlich der Hygienemaßnahmen (Händewaschen) richtig sensibilisiert werden?

Daniela Struc: Gerade für kleinere Kinder sollte es ein Ritual sein, das gemeinsam geübt und wiederholt wird. Es ist wichtig, dass es sich dadurch allmählich automatisiert, dann klappt es auch in der Schule. Es gibt auf Youtube kindgerechte Videos, die erklären, warum Händewaschen so wichtig ist. Mein Sohn und ich singen immer zweimal „Happy Birthday“ während dem Händewaschen, aber wir haben uns auch schon eigene Händewaschlieder ausgedacht. Da darf man ruhig seiner Kreativität freien Lauf lassen.

Kinderfreunde: Während viele Eltern bereits sehnsüchtig auf die Öffnung der Schulen warten, um wieder eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu haben, gibt es auch Erwachsene, die verunsichert sind, ob sie die Kinder bereits wieder in die Schule schicken können. Wie können diese Unsicherheiten genommen werden? Können/sollen sie überhaupt genommen werden?

Daniela Struc: Meiner Meinung nach muss auch die Angst der Erwachsenen Raum finden in unserer Gesellschaft. Es ist natürlich mit allen Hygienemaßnahmen nie 100% „sicher“ in der Schule oder beim Einkaufen. Aber auch Isolation und Angst kann entwicklungspsychologisch Probleme bei Kindern und psychische Probleme bei Erwachsenen verursachen. Es geht um ein Abwiegen der Vor- und Nachteile die Eltern jetzt machen müssen. Großteils ist Schule und Kindergarten notwendig, weil Eltern arbeiten müssen und Kinder betreut werden müssen. Die Regierung hat mit den Maßnahmen die Grundlagen für etwas mehr „Normalität“ gegeben, dass finde ich sinnvoll und richtig. Wir sind in einer Phase angekommen, wo Kinder auch einfach wieder soziale Kontakte brauchen.

Kinderfreunde: Die Schlagzeilen der letzten Monate sind auch an den Kindern nicht spurlos vorüber gegangen. Auch hier muss sensibel vorgegangen werden, um gegebenenfalls Ängste zu nehmen. Was können Erwachsene tun, wenn die Kinder selbst stark verunsichert sind, schlecht schlafen, nicht in die Schule gehen wollen?

Daniela Struc: Ich denke, dass klärende Gespräche helfen. Es ist wichtig, dass Eltern mehrmals in Ruhe mit den Kindern über diese Ängste sprechen. Es kann helfen Kinder mit Schulfreunden einen Anruf oder Videoanruf machen zu lassen, vielleicht entsteht dann etwas Vorfreude auf die Schule. Entspannende Rituale, Trostgeschichten vor dem Einschlafen, vielleicht auch ein Gute-Träume-Tee können auch den Abend schön ausklingen lassen.

Dipl. Päd. Daniela Struc 

ist Kindergarten- und Hortpädagogin & Früherzieherin.

Seit 10 Jahren ist Daniela Struc als Hauptschullehrerin für Englisch und Musik (Tanz und Bewegung, Ensemble, Chor) an der Musikmittelschule Traun (Leiterin Musikschwerpunkt) tätig. Zurzeit arbeitet sie gerade im homeschooling mit ihrem fast siebenjährigen Sohn (mit einer sehr motivierten Volksschullehrerin, die sogar ein Online Klassenzimmer mit eigenen Videoerklärungen bereitstellt) und hält Onlinestunden für ihre NMS Klassen. Für die Kinderfreunde ist sie auch als Seminar-Referentin tätig.

Die Kinderfreunde bieten Familien regelmäßig Unterstützung. So gibt es etwa jeden Mittwoch von 20 bis 21.30 Uhr eine virtuelle Elternbildung zu unterschiedlichsten Themen. Mehr Infos hier

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