Raus aus dem Bauch, rein ins Netz

Kinderfotos im Internet

Stolze Eltern präsentieren jeden Tag ihre Sprösslinge auf eigenen Homepages und diskutieren deren Probleme in Foren. „Darf man das überhaupt?“, haben Eltern „Recht“, die Bilder ihrer Kinder zu veröffentlichen? Was ist mit der kindlichen Privatsphäre? Oder schürt man mit solchen Fragen nur Misstrauen und Angst und verdirbt allen die Freude?

Digitale Präsenz vor dem 2. Geburtstag

Noch bevor sie so richtig gut laufen können, hinterlassen 81% der Kinder aus den USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Australien, Neuseeland und Japan ihren digitalen Fußabdruck im Internet. 23% der Eltern präsentierten bereits vor der Geburt ihres Sprösslings die Ultraschallbilder im world wide web. Dies ergab eine Studie des Softwareherstelles AVG vom Oktober 2010.

Von „sicher nicht!“ bis „her damit!“

Auf der sozialen Internetplattform Facebook hat sich eine eigene Community mit dem Namen „Keine Kinderfotos im Social Web“ gegründet. Eine andere unter dem Titel „Unsere Kinder“ lädt ein, „verrückte, süße oder lustige Bilder und Videos von euren liebsten (sic!) auf dieser Seite“ hochzuladen. Also: Ein soziales Netzwerk mit zwei grundverschiedenen Haltungen zum Thema. „Uns ist wichtig, die Menschen in dieser Frage zu sensibilisieren“, erklärt Bernd Dobesberger, Vorsitzender der Kinderfreunde OÖ. „Viele Eltern orientieren sich an dem, was andere machen. Und da kann die Privatsphäre der Kinder unabsichtlich und unüberlegt verletzt werden“, so Bernd.

Kindeswohl bedenken

Wichtig zu wissen ist, dass grundsätzlich jede/r im Internet über sich preisgeben kann, was er/sie will. Eltern können ersatzweise für ihre Kinder entscheiden, Daten und Fotos ihrer Kinder hineinzustellen, wenn dies „zum Wohle des Kindes“ ist, erklärt Hans Zeger von der ARGE Daten. Ist es dem Kind z.B. wichtig, als Torschütze mit auf der Vereinshomepage zu stehen, dann spreche sicher nichts gegen die Veröffentlichung. „Wenn Eltern aber nur zur Befriedigung der eigenen Eitelkeit die Fotos und Daten ihrer Kinder ins Netz stellen, dann verstoßen sie gegen Persönlichkeitsrechte und das Urheberrecht auf das eigene Bild“, ist Hans Zeger, der Autor des Buches „Paralleluniversum Web 2.0“ überzeugt.

Drin ist drin

Anders sieht das der Jurist und Web 2.0 Experte David Röthler. Er meint, dass man grundsätzlich von allen Personen Fotos ins Internet stellen dürfe, außer „berechtigte Interessen“ – wie z.B. nicht ohne eigenes Zutun auf einem Werbeplakat einer Partei abgebildet zu werden – sprechen dagegen. Für ihn ist es unproblematisch, Bilder von sich und seinen Kindern hochzuladen, aber „man muss sich immer bewusst sein, dass alles was man ins Internet stellt für immer drin ist und auch weitergeleitet werden kann“. Auch die Gründerin von Digitalks und Medienexpertin Meral Akin-Hecke weiß, dass sich Eltern immer im Vorfeld überlegen sollten, welche Fotos und Daten sie von ihrer Familie veröffentlichen, um später keine Überraschungen zu erleben.

Privatsphäre im Auge haben

Genau hier ortet die Erziehungswissenschafterin Ruth Karner ein grundlegendes Problem. „Das Bewusstsein für das Medium bildet sich heraus, während man es schon benutzt“, gibt Ruth Karner zu bedenken. So sei vielen NutzerInnen von Facebook nicht bewusst, dass ihre Bilder und Informationen grundsätzlich allen offen stehen. „Man muss selbst aktiv werden und die Privatsphäre Einstellungen anpassen. Diese Hürde nehmen viele nicht“, bedauert die Kinderrechtsexpertin, die weiß, dass das Internet nichts vergisst und befürchtet, dass manchen Kindern die Art wie sie präsentiert wurden, später nicht gefällt.

Bernd_Dobesberger  

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