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Netzwerk gegen Rassimus

Robert Eiter ist der Sprecher des OÖ. Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus. Im Interview gibt er Auskunft über Ziele und Strategien des Netzwerkes.

Was ist das OÖ. Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus?

Unser unabhängiges Netzwerk wurde im Jahr 2001 von 26 politischen, kirchlichen, kulturellen und humanitären Organisationen gegründet. Mittlerweile sind es schon 60 Mitgliedsorganisationen, darunter die Katholische Aktion, die Gewerkschaftsjugend, die Sozialistische Jugend, die Grünen, die Volkshilfe, die Pfadfinder, die Kulturplattform KUPF, die Homosexuelleninitiative, das Museum Arbeitswelt und viele mehr. Unser gemeinsames Ziel ist die wirksame Bekämpfung von Rassismus und Rechtsextremismus. 

Sie sind Sprecher dieses Netzwerks. Warum engagieren Sie sich in diesem Bereich?

Rassismus und Rechtsextremismus bedrohen Demokratie und Menschenrechte. Wir dürfen nicht zulassen, dass sich wieder eine Entwicklung durchsetzt wie in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Die Folgen waren bekanntlich ein Weltkrieg mit 50 Millionen Toten und der Holocaust. Gerade heute gibt es in vielen Ländern Europas wieder sehr gefährliche Tendenzen – auch in Österreich.

Was sind Eure Aktivitäten?

Unsere Mitgliedsorganisationen sorgen für zahlreiche Aktivitäten, vor allem in der Gedenk- und Jugendarbeit sowie zur Bekämpfung des aktuellen Rechtsextremismus. Als Gesamt-Netzwerk informieren wir durch unsere Homepage www.antifa.co.at und durch einen Newsletter, wir treten laufend an Medien, Politik und Behörden heran und wir organisieren einmal jährlich ein Großes Netzwerk-Treffen im Bildungshaus Schloss Puchberg in Wels

Welche Gefahr geht vom Rassismus und Rechtsextremismus in Oberösterreich aus

Eine durchaus beachtliche. Die Zahl rechtsextremer Straftaten steigt in ganz Österreich, aber Oberösterreich ist eine Hochburg der braunen Szene. Man denke etwa an die wiederholte Schändung der Gedenkstätte Mauthausen oder an die Attacke auf KZ-Überlebende in Ebensee: Das sind nur zwei Beispiele aus einer langen Liste. Wirklich schlimm ist aber, dass die Landespolitik sowie die Sicherheits- und Justizbehörden das Problem bisher verharmlosen und den Rechtsextremismus nicht wirksam bekämpfen. Das muss sich ändern. Wir sind gespannt, ob der Krisengipfel des Landessicherheitsrates am 30. Mai zu dieser Änderung beiträgt.

Umso höher der Bildungsgrad, umso geringer die Anfälligkeit für rechtsextremes Gedankengut, ist eine häufige Annahme. Aber wie weit sind Rechtsextremismus und Rassismus auch an den Universitäten ein Problem?

Mit der Studentenbewegung in den späten 60er Jahren des letzten Jahrhunderts hat sich das Blatt gewendet: Bis dahin waren die Deutschnationalen an den österreichischen Universitäten stark vertreten und haben bei ÖH-Wahlen 30 Prozent der Stimmen bekommen. Seither ist ihr Einfluss immer mehr gesunken. Das schließt natürlich nicht aus, dass sie den derzeit für die FPÖ günstigen Trend zu nutzen versuchen. Weil die Wissenschaft tendenziell immer internationaler und immer weiblicher wird, haben rassistische Machos mit Schmissen an Universitäten aber langfristig keine guten Chancen. 

Welche Organisationen stehen dahinter, was ist ihre Geschichte?

Die schlagenden Burschenschaften sind deutschnationale Studentenverbindungen, die auf das frühe 19. Jahrhundert zurückgehen und damals überwiegend liberal gesinnt waren. Nach der gescheiterten Revolution von 1848 ist das Gedankengut aber dann besonders in den österreichischen Burschenschaften in aggressiven Nationalismus, Antisemitismus und Rassismus gekippt. So wurde mit dem „Arierparagraphen“ die Mitgliedschaft von Juden ausgeschlossen. Im 20. Jahrhundert sind die Burschenschaften, auch wenn sie das heute gern abstreiten, mit Begeisterung im Lager des Nationalsozialismus gelandet. Aus dessen welthistorischer Niederlage 1945 haben sie nichts gelernt: Das zeigt etwa die „Trauerkundgebung“, die die Burschenschafter am 8. Mai – dem Jahrestag der Kapitulation Hitler-Deutschlands – auf dem Heldenplatz durchführen. Der parteipolitische Arm der Burschenschaften an den Universitäten ist der Ring Freiheitlicher Studenten (RFS), der nicht zufällig führende Neonazis wie den NDP-Gründer Norbert Burger und den Holocaust-Leugner Gerd Honsik hervorgebracht hat. 

Welche Strategien werden verwendet, um rechtsextremes Gedankengut zu verbreiten?

Vor allem wird versucht, bestehende Vorurteile zu schüren und an mangelndem Geschichtswissen anzuknüpfen. Beispielsweise machen die Rechtsextremisten gern gegen Minderheiten wie Homosexuelle Stimmung. Der frühere Linzer RFS-Obmann hat in einem Zeitungsinterview gemeint, nicht alles am Nationalsozialismus sei schlecht gewesen. Und die Linzer Burschenschaft „Arminia Czernowitz“ hat im Vorjahr einen rechtsextremen Publizisten zu einem Vortrag eingeladen und dafür mit einem Plakat geworben, auf dem ein nur leicht verändertes NSDAP-Motiv zu sehen war.

Von wem werden Sie unterstützt?

Unser Netzwerk bekommt keine Subventionen, sondern finanziert sich ausschließlich durch Beiträge der 60 Mitgliedsorganisationen. Ideell unterstützt werden wir aber von vielen Seiten, unter anderem von Kirchen und Gewerkschaften.

Was können Studierende gegen Rassismus und Rechtsextremismus tun?

Sich informieren, wachsam sein, Zivilcourage zeigen und sich in einer unserer Mitgliedsorganisationen engagieren. Wer sich direkt an unser Netzwerk wenden will, kann das unter der E-Mail-Adresse  tun.

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