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Suchtfreies Leben

Für mehr Lebensfreude und Genuss. Thomas Wögerbauer vom Institut Suchtprävention und Elternbildner Alfred Hager haben eine Vorstellung davon, wie das gehen kann. 

Seit mehr als 10 Jahren kooperieren die Familienakademie der OÖ Kinderfreunde und das Institut Suchtprävention im Rahmen einer 4-teiligen Elternbildungsreihe. Das Ziel: Informieren, die Selbstreflexion der Eltern fördern und klar machen, dass ein gesunder Selbstwert, Genussfähigkeit und ein respektvolles Miteinander die beste Prävention gegen Drogenmissbrauch und Verhaltenssüchte sind. Die Seminarreihe richtet sich ganz besonders auch an Eltern jüngerer Kinder.

Viele Mittel und Wege, sich von Problemen abzulenken

Weil Michael mit seinen 16 Jahren ein richtiger Mann sein will, trinkt er in Gesellschaft mehr Alkohol, als ihm schmeckt. Zum ersten Mal hat er als 14-Jähriger mit seinem Vater ein „Freundschaftsbier“ getrunken. In seiner Familie gehört Alkohol einfach dazu. Die 17-jährige Sandra ist unglücklich mit ihrer Figur. Sie greift regelmäßig zur Zigarette weil sie das vom Essen ablenkt.

Julians Mutter ist Fan von homöopathischen Mitteln, für jedes Wehwehchen ihres dreijährigen Sohns hat sie die richtigen Kügelchen bereit. Ein aufgeschlagenes Knie ohne die richtige homöopathische Potenz ist eine Katastrophe. Ist der siebenjährigen Sarah langweilig und sie weiß nichts mit sich anzufangen, dann hilft Fernsehen oder Internetsurfen - für ihre Eltern ist das ok, schließlich verhält sich das Kind dann ruhig.

Eltern sind Vorbilder

Die Möglichkeiten, sich mit Mitteln wie Alkohol, Nikotin, Süßigkeiten, Medikamenten oder Verhaltensweisen wie Fernsehen, Einkaufen, Arbeiten von unangenehmen Situationen oder Problemen abzulenken, sind vielfältig. Eltern stellen für ihre Kinder die wichtigsten Vorbilder dar, deren Einstellung und Verhalten prägen die Kinder. Hier setzt die Seminarreihe „Kinder stark machen für ein suchtfreies Leben“, die von der Familienakademie der OÖ Kinderfreunde in Kooperation mit dem Institut Suchtprävention seit mittlerweile 11 Jahren angeboten wird, an.

Information

Was brauchen Kinder und Jugendliche, um ihr Leben möglichst frei von Abhängigkeiten und Ersatzmitteln zu gestalten und daran Freude zu haben? Darum drehen sich die Gespräche und Diskussionen der Eltern an vier Abenden. Der erste dieser Abende wird inhaltlich vom Institut Suchtprävention gestaltet. Thomas Wögerbauer oder seine Kollegin Andrea Schrattenecker definieren den Suchtbegriff, referieren zur Entstehung und klären über die verschiedenen Substanzen auf. Außerdem liefern sie Inputs dazu, welche individuellen Fähigkeiten und strukturellen Gegebenheiten vor Sucht schützen.  

Selbstreflexion

Die drei weiteren Treffen werden von einem/einer Elternbildner/in geleitet. Alfred Hager hat 20 Jahre „an der Basis mit Jugendlichen“ als Sozialarbeiter gearbeitet, seit mehr als 10 Jahren engagiert er sich als Elternbildner. Sein Ziel ist es, Eltern auch Selbstreflexion – welchen „Versuchungen“ konnte ich als Kind/Jugendliche/r widerstehen, welchen nicht, wie gehe ich selbst mit dem Thema Sucht um – zu ermöglichen.

Die Gruppe macht das Programm

Pubertät, Ablösungsprozesse und ganz konkrete Probleme, die Eltern einbringen, werden gemeinsam bearbeitet, wobei sich Alfred Hager immer auf die Wünsche und Bedürfnisse der Teilnehmenden einstellt. Themen wie Kommunikation, Bedürfnisse in der Familie, Grenzen und Konflikte im familiären Alltag werden in jedem Fall behandelt. So könnte sich zum Beispiel Julians Mutter damit auseinandersetzen, ob jede körperliche Beeinträchtigung sofort einer Behandlung bedarf, die Eltern von Sarah deren Fernsehverhalten zu überdenken, auch über Michaels Umgang mit Alkohol und Sandras Rauchverhalten würden sich deren Eltern austauschen können.

Schutzfaktoren

Welche Faktoren schützen Kinder denn nun? Thomas Wögerbauer nennt unter anderem „Selbstwert, Selbstvertrauen, Sicherheit im Umgang mit den eigenen Gefühlen, Sicherheit im Umgang mit Konflikten, Genussfähigkeit und ein gutes Familienklima“. „Wenn es den Eltern gut geht, geht‘s auch den Kindern gut“ lautet der Titel des letzten der vier Abende, auch Alfred Hager legt größten Wert darauf, dass sich Eltern bewusst machen, wie wichtig das eigene Wohlbefinden für das Gelingen ihrer Erziehungsaufgabe ist.

Erkennungsmerkmale von Sucht:

  • Starker Wunsch, bzw. Zwang, psychoaktive Substanzen zu konsumieren
  • Verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich des Beginns, der Beendigung und der Menge des Konsums
  • Körperliches Entzugssyndrom bei Beendigung oder Reduktion des Konsums
  • Fortschreitende Vernachlässigung anderer Vergnügen
  • Anhaltender Substanzkonsum trotz des Nachweises eindeutig schädlicher Folgen

Quelle: „Wie schütze ich mein Kind vor Sucht? Ratgeber für Eltern“, Hrsg.: Institut Suchtprävention, Auflage 2012.

"Wir arbeiten seit mehr als 10 Jahren mit unserem kompetenten Partner, der Familienakademie der Kinderfreunde OÖ im Rahmen der Suchtvorbeugungs-Elternbildung zusammen. Jede Seminarreihe wird evaluiert und bekommt immer die besten Noten“. Thomas Wögerbauer ist Mitarbeiter im Bereich Schule, Familie, Kinder im Institut Suchtprävention. Er referiert regelmäßig am ersten Abend der Elternbildungsreihe.

Für jedes Problem gibt es mehrere Lösungen. Ich möchte Eltern motivieren, mit ihren Kindern mehr zu reden und gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln und Regeln zu definieren.“ Alfred Hager ist Elternbildner und er leitet u.a. Suchtpräventionsseminare. Er greift dafür auch auf seine langjährige Erfahrung als Sozialarbeiter zurück.

Informationen über die nächste Elternbildungsreihe „Kinder stark machen für ein suchtfreies Leben“ gibt es in deinem Regionsbüro.

Hier geht's zu den zugehörigen Artikeln:

Teil 5: Facebook, Internet & Co / Patricia Groiß

Teil 3: Sexualerziehung / Gisela Grassl / Kristina Strauß-Botka

Teil 2: Resilienz / Leslie Jäger / Werner Leixnering

Teil 1: Beziehungsorientierte Erziehung / Ruth Karner

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