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Sexualerziehung

„Mama, was ist Sex?“ Eltern klären Kinder auf. Und haben damit manchmal Schwierigkeiten. Gisela Grassl und Kristina Strauß-Botka haben dazu einige Ideen. 

Die siebenjährige Sophia lernt gerade lesen. Stolz ist sie, dass sie schon so viel versteht. Naheliegend also zu fragen, wenn ihr ein Wort überhaupt nichts sagt. Fett prangt das Wort Sex auf der Titelseite einer Zeitschrift. „Mama, was ist Sex?“. „Ich bin erstarrt und war ratlos, wie ich da jetzt antworten sollte“, erinnert sich Maria, Sophias Mutter. Schließlich wollte sie doch alles richtig machen, nichts Falsches sagen.

Selbst verwirrt und kaum Vorbilder

„Den Eltern von heute fehlen die Vorbilder, schließlich wurden die wenigsten von ihren eigenen Eltern gut aufgeklärt“, versucht Kristina Botka, Politologin und Pädagogin mit Zusatzausbildungen in der Sexualpädagogik einen Erklärungsversuch.

Auch Gisela Grassl erlebt als Vortragende von Eltern-Aktiv Seminaren, wie z.B. „Pubertät – Zeit der großen Veränderungen“, dass viele Eltern unsicher sind, welche und wie viele Infos sie ihren Kindern zu welchem Zeitpunkt geben sollen. Sie selbst meint, man könne nicht früh genug anfangen, das Thema Sexualität in den normalen Gesprächsalltag einzubringen. „Für junge Kinder kurz, knapp und vor allem kindgerecht“, betont die Diplom Sozialpädagogin.

Zur Familie passen

Geht es speziell um das Sprechen über den Geschlechtsverkehr hätten viele Eltern große Hemmungen. „Ich denke, da gibt es keinen goldenen Weg. Wie das genau besprochen wird, muss zur jeweiligen Familie passen“. Grassl findet es besonders wichtig, dass sich Eltern schon früh Gedanken machen.

"Aus der Gewaltprävention wissen wir, wie wichtig es ist, dass Kinder Körperteile benennen können, dazu gehören natürlich auch die Geschlechtsteile", ist es Simone Diensthuber, Diplomsozialarbeiterin und Geschäftsführerin der Kinderfreunde OÖ wichtig zu betonen.

Bilderbuch kann helfen

Welchen Weg hat Maria nun gefunden, um Sophia „Sex“ zu erklären? „Ich hatte schon ein altersgerechtes Aufklärungsbuch gekauft, das haben wir uns dann gemeinsam angeschaut“, erzählt die 33-jährige Mutter zweier Kinder. Ein guter Weg, den Kristina Botka auch Pädagoginnen empfiehlt. „Es gibt ganz viele gute Bilderbücher und Sachliteratur um Kinder gut aufzuklären.“

Im Gespräch bleiben

Wichtig sei es, so Gisela Grassl, mit den eigenen Kindern und Jugendlichen über Sexualität im Gespräch zu bleiben. Der Zugang, einmal einen Achtjährigen aufzuklären und dann nie wieder ein Wort über sexuelle Körperlichkeit zu verlieren, sei der falsche. „Schon gar nicht das Kind zu sich an den Küchentisch rufen – so nach dem Motto: Komm her mein Sohn, ich muss dir jetzt mal was erklären“, warnt Sozialpädagogin Grassl. Alltagssituationen (bei einer gemeinsamen Autofahrt, beim Aufräumen, beim Spazieren gehen) seien gut geeignet, mit den eigenen Kindern über Sex, die Veränderungen des pubertierenden Körpers und Gefühle zu reden.

Väter entziehen sich

Was Gisela Grassl besonders auffällt ist, dass sich viele Väter der Aufklärungsverantwortung entziehen. „Je älter die Kinder werden, desto weniger aktive Väter bekomme ich in meinen Seminaren zu sehen“. Und gerade bei ihren pubertierenden Söhnen finden viele Mütter kaum einen Zugang, über Sexualität und alles was damit zu tun hat, zu reden. Gisela Grassl wünscht sich deshalb, dass sich Väter bei ihren pubertierenden Kindern mehr in die Erziehungsarbeit einbringen.

 "Viele Eltern haben große Hemmungen mit ihren Kindern über Sex zu reden. In den Eltern-Aktiv-Seminaren sehen sie, dass es anderen ähnlich geht. Viele Eltern sind dann sehr erleichtert und holen sich Anregungen aus den Gesprächen." Gisela Grassl, Diplom Sozialpädagogin, Dipl. Supervisorin

 

 "Oft erklären Eltern Sex ausschließlich im Zusammenhang mit Fortpflanzung. Warum sagen sie nicht, dass das wunderschön sein und Spaß machen kann?" Kristina Strauß-Botka, Politikwissenschafterin, Kindergartenpädagogin, sie hat auch Ausbildungen im Bereich Sexualpädagogik.

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Teil 5: Facebook, Internet & Co / Patricia Groiß

Teil 4: Suchtfreies Leben / Thomas Wögerbauer / Alfred Hager

Teil 2: Resilienz / Leslie Jäger / Werner Leixnering

Teil 1: Beziehungsorientierte Erziehung / Ruth Karner

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