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Richtig? Falsch?

Über Bildung, die Eltern bestärkt und ermutigt. Lassen wir uns inspirieren! Das empfiehlt jedenfalls Ruth Karner.

Eltern werden richtiggehend geflutet mit Ratgebern, mit Angeboten, mit Erziehungstipps. Im Gegensatz zu früher gibt es heute keine gesellschaftliche Übereinstimmung, was in der Erziehung richtig oder falsch ist.

Regeln verändern sich

Waren sich früher alle einig wie man erzieht, mit dem Ziel brave, angepasste Kinder zu haben, ist es heute viel komplexer. Eltern stehen vor der großen Herausforderung Kinder zu selbstbestimmten und empathischen Menschen zu erziehen und sie dabei gut zu begleiten. Dabei fliegen verschiedene Modelle und Vorstellungen Eltern quasi um die Ohren: Wieviel Autorität oder Reformpädagogik braucht meine Erziehung, welche Modelle und Methoden kann oder soll ich anwenden? Zudem kommt es in  unserer kaptitalistisch gesteuerten Gesellschaft stark zu einer ökonomischen Bewertung von Menschen: Was zählt ist Leistung, nützlich sein, effizient sein.

Eigenen Weg finden

Hier setzt Ruth Karner an. Sie ist ehrenamtliche Sprecherin für den Bereich Bildung der Kinderfreunde OÖ, beruflich arbeitet sie als Elternbildnerin und Lebens- und Sozialberaterin. Es ist ihr ein Dorn im Auge, wenn Erziehungsstile gehyped werden, wenn jenen Leuten, die bestimmte Herangehensweisen propagieren einen Guru-Status erringen und deren Ratschläge das alleinig glücklich machende und gültige Wissen sind. „Wir sollten Rollen und fix vorgefertigte Modelle verlassen. Ich wünsche mir dass wir es schaffen, uns inspirieren zu lassen, und einen eigenen Weg zu finden“, so Karner Mitte Oktober in einem Vortrag für die Leiterinnen der Eltern-Kind-Zentren. Sich die eigenen individuellen Werte klar zu machen, hält sie dabei für die wichtigste Grundlage.

Beziehungsorientiert

Die Pädagogin und zweifache Mutter hält viel von Familienberater Jesper Juul, in seinem offenen und ressourcenorientieren Zugang  sieht sie Überschneidungen zu einem von den Werten der Kinderfreunde beeinflussten Erziehungsstil. Die Kinderfreunde, wie auch der dänische Therapeut Juul sind sich einig im Vorschlagen einer beziehungsorientierten Erziehung. Es geht um die Augenhöhe zum Kind, um persönliche Integrität (das „Ja“ sagen zu mir selber und auch einmal „Nein“ zu den Wünschen anderer), um Authentizität (die Fähigkeit, die Person zu sein, die man wirklich ist) und um soziale und persönliche Verantwortung.

Kinder als Persönlichkeit

„Ich sehe dich“: dieses Gefühl und die damit verbundene Sicherheit zu vermitteln, sei „das wichtigste Fundament für gutes Selbstgefühl“, davon ist Ruth Karner überzeugt. Aus Beratungsgesprächen weiß sie, dass viele Erwachsene heute damit schwer zurechtkommen, von ihren Eltern nicht als eigenständige Persönlichkeit gesehen worden zu sein.

Werte als Fundament

Deshalb möchte Ruth Karner Eltern anregen, „aus sich heraus zu handeln“ und „ganz individuell den persönlichen Dialog mit ihren Kindern“ zu suchen. Die Kinderfreunde ermutigt sie, „selbstbewusst zu zeigen, dass die Kinderfreunde-Werte wie Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit, Solidarität, Vielfalt und Frieden wichtig für Eltern, Familien und Gesellschaft sind“. Die Eltern-Kind-Zentren nehmen für Ruth Karner eine zentrale Rolle ein, denn „hier kommen Eltern in Kontakt, hier gibt es einen Bildungsauftrag und hier kann der Diskurs über Kinderfreunde-Werte über die Bühne gehen“.

"Beziehungsorientierte Erziehung ist mir wichtig. Ich wünsche mir, dass die Eltern-Kind-Zentren diese Grundhaltung spürbar leben und an die Menschen weitergeben. Die Werte der Kinderfreunde sind ein Fundament, auf das wir als Eltern und als Menschen, die mit Kindern arbeiten, gut aufbauen können." Ruth Karner

Mag.a Ruth Karner DLB ist Erziehungswissenschaftlerin, Familienberaterin, familylab Trainerin nach Jesper Juul, Elterbildnerin, Mutter von zwei Kindern im Kindergartenalter und Vorsitzende einer Kinderfreunde-Ortsgruppe in Linz .

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Teil 5: Facebook, Internet & Co / Patricia Groiß

Teil 4: Suchtfreies Leben / Thomas Wögerbauer / Alfred Hager

Teil 3: Sexualerziehung / Gisela Grassl / Kristina Strauß-Botka

Teil 2: Resilienz / Leslie Jäger / Werner Leixnering

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