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EKiZ-Tagung 2018

Anfang Juni war die diesjährige Eltern-Kind-Zentrums (EKiZ) Tagung mit dem Titel  „Von A wie Aromatherapie bis Z wie Zaubersaft: Hilfen für Familien oder Hokuspokus?“ im Kidsmix Bulgariplatz in Linz. 40 EKiZ-LeiterInnen aus ganz Oberösterreich nutzten diese Veranstaltung, um sich zu diesem Thema weiterzubilden.

Die Palette an Angeboten in den Eltern-Kind-Zentren der Familienakademie der OÖ Kinderfreunde ist breit. Klassiker wie Spielgruppen finden sich dort genauso wie Angebote aus dem Bereich Kinderkultur oder eigene Papa-aktiv-Veranstaltungen. Die LeiterInnen der Eltern-Kind-Zentren gestalten ihr Programm fürs ganze Jahr. Sie befragen Familien nach ihren Bedürfnissen, erkennen Erziehungstrends, suchen ReferentInnen und entscheiden über die Themenwahl in der Elternbildung. Um für die Familien das besten Angebot zusammenzustellen, bilden sich die LeiterInnen verpflichtend zweimal im Jahr weiter.

Lebenskompetenzen fördern Suchtprävention

Die Hauptvortragenden kamen heuer von der Fachstelle Suchtprävention in Niederösterreich und von der Ärztekammer Oberösterreich.  Johann Wiesinger, Trainer zur Suchtprävention, gab bei seinem Vortrag einen differenzierten Blick auf die erzieherisch-pädagogische Begleitung von Kindern in ihrer Entwicklung. Dabei kam es zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Trend der Selbstmedikation/Selbstoptimierung zur Leistungssteigerung bzw. zur Gefühlsregulation. Sein wichtigster Punkt war, die Bedeutung der Lebenskompetenzen für die kindliche Entwicklung der Persönlichkeit zu erkennen. Aus suchtpräventiver Perspektive brauchen die Kinder dringend spezielle Lebenskompetenzen, wie etwa Selbstwahrnehmung, Einfühlungsvermögen, kreatives & kritisches Denken, die Fähigkeit Entscheidungen zu treffen, Problemlösungsfertigkeit, Kommunikative Kompetenz, Umgang mit Stress und Frustrationstoleranz. Zusätzlich sind etwa Genuss- sowie Medienfähigkeit wichtige Kompetenzen.



„ Erziehung und Pädagogik muss darauf abzielen, unsere Kinder so anzunehmen, wie sie sind UND in ihrer persönlichen Entwicklung so zu unterstützen, dass der Erwerb von wesentlichen Lebenskompetenzen möglich wird.“



Dass dabei nicht abstrakte „Ziele“ aus der Erwachsenenwelt, sondern die natürlichen Entwicklungsschritte des Kindes im Zentrum stehen sollten, war ein wichtiger Gedanke.

Schulmedizin vs. Alternativmedizin

MR. Dr.in Claudia Westreicher, Allgemeinmedizinerin und Referentin für Komplementärmedizin der Ärztekammer OÖ vermittelte in ihrem Vortrag wie sich die Schulmedizin zur Komplementärmedizin, Alternativmedizin, Kräuterheilkunde und Hausmitteln abgrenzt. Je nachdem, ob es sich um schwere Erkrankungen, Bagatellerkrankungen oder Befindlichkeitsstörungen handelt, müssen Behandelnde mit entsprechender Profession einbezogen werden. In Eltern-Kind-Zentren dürfen Themen, die dem medizinischen Bereich zugeordnet werden können, nur von fundiert ausgebildeten Personen vermittelt werden. Daher ist die Auswahl der ReferentInnen in Eltern-Kind-Zentren besonders wichtig.

„Das Diagnostizieren von Krankheiten und das Behandeln kranker Menschen ist in Österreich laut Gesetz Ärzten vorbehalten. Gewerbliche Laienbehandler, wie etwa Lebensberater oder Energetiker dürfen nur die Gesundheit erhalten und das Wohlbefinden fördern. Hebammen oder Physiotherapeuten dürfen – auf ihr Fachgebiet eingeschränkt – auch komplementär-medizinische Methoden anwenden. Sie müssen allerdings dafür eine entsprechende Zusatzausbildung nachweisen.“

Besonders kritisch sind laut Westreicher jene Angebote, in denen eine 100 % Heilung gänzlich ohne Nebenwirkungen versprochen wird.

Workshop-Angebote

Am Nachmittag gab es ein umfangreiches Angebot an Workshops zur Vertiefung. Michaela Schreiber, Dipl. Hebamme gab Anregungen und „Sinnvolle Angebote vor; nach; und für die Geburt“. Gemeinsam wurden Ideen gesammelt, die bisher in den EKiZ-Programmen noch kaum bedacht wurden. „Immer noch gibt es Tabuthemen auch rund um die Geburt – dabei sind viele Familien etwa von postpartalen depressiven Verstimmungen, Kaiserschnitt, Früh- oder Fehlgeburten betroffen und benötigen hier in geschütztem Rahmen vertrauenswürdige Anlaufstellen und Austauschmöglichkeiten.“

„Auf den Wellen des Lebens reiten. Wie befähigen wir Kinder, einen resilienten Umgang mit den Herausforderungen des Lebens zu finden?“ war der Titel des Workshops unter der Leitung von Gudrun Kröpl, Dipl. Sozialarbeiterin und Dipl. Resilienztrainerin. Dass Resilienz einen Mix aus Widerstand, Anpassung und Veränderung bedeutet, vermittelte sie anhand mehrerer Beispiele. Rund um das Zitat „Das Leben ist schön, von einfach war nie die Rede“ stellte die Expertin vor, wie Kinder für sich Schutzfaktoren entwickeln können, die zur Bewältigung von Herausforderungen des Lebens dienen. Dafür braucht es Fähigkeiten wie Selbst- und Fremdwahrnehmung, Selbststeuerung, Selbstwirksamkeit, Soziale Kompetenz und  Stressbewältigung. Beim vertiefenden Workshop „Medienkonsum, Verhaltenssüchte, Konsumverhalten. Was macht unsere Familien noch stärker?“ beschäftigten sich die TeilnehmerInnen mit Hauptreferent Johann Wiesinger noch einmal mit Entwicklungsschritten, die Kinder stark machen und die Rolle der erwachsenen BegleiterInnen dabei.

Das Team der Familienakademie blickt auf eine sehr lebendige Veranstaltung zurück, die auch aufgrund der liebevoll gestalteten Erinnerungskarten noch lange im Gedächtnis bleiben wird. 


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