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Spielzeugkampagne 2015

„Augen auf beim Spielzeugkauf!“ heißt es seit vielen Jahren in den vorweihnachtlichen Kampagnen der Kinderfreunde OÖ. Oftmals wurde Gewaltspielzeug thematisiert, dann machte man auf die Problematik von geschlechterstereotypem Spielzeugs aufmerksam, Anregungen zum „Zeit schenken“ und „mit Alltagsmaterialien spielen“ wurden mit Plakaten und vielen zusätzlichen Informationen unter die Leute gebracht. Auch heuer gibt es wieder ein neues Thema. Es geht ums Schenken von gebrauchtem Spielzeug.

Geschenke mit Geschichte

„Was, wie? Gebrauchtes Spielzeug schenken geht doch gar nicht!“. Für Viele ist das wahrscheinlich die erste Reaktion. Zu groß die Angst, die Scheu als Geizhals dazustehen wenn unter dem Weihnachtsbaum etwas liegt, das nicht ganz neu im Geschäft gekauft worden ist. Schließlich sind viele der Schenkenden in einer Zeit groß geworden, in der alles Neue mit wirtschaftlichem Aufschwung, mit Luxus, mit „uns geht’s jetzt immer besser“ assoziiert wurde.

Werthaltungen ändern sich

Seit einiger Zeit spüren viele Menschen den Wandel dieses Zeitgeistes, sie wollen nicht mehr mitmachen beim Streben nach immer mehr. Es sind verschiedene Gründe, warum für Viele nicht mehr nur das Neue zählt: Naturressourcen werden geschont wenn auf bereits Produziertes zurückgegriffen wird, es ist günstiger, die Zeit muss nicht zum Geld verdienen und ausgeben, sondern kann für die Familie verwendet werden. Erstaunlich ist, warum es dennoch eine so große Scheu davor gibt, Dinge, die schon einmal Freude gemacht haben, zu verschenken. Kann der Wert des Geschenkes von seiner Originalverpackung abhängig gemacht werden? Die Kinderfreunde OÖ glauben das nicht.

Gute Gründe

  • Viele Kinder werden mit Geschenken überhäuft. Die Menge an Geschenken ist nicht das, was Kinder glücklich macht, es ist das für sie passende Geschenk.
  • Kinder verdienen sich liebevoll ausgewählte Geschenke und damit die Auseinandersetzung mit ihren Besonderheiten. Das ist ein Ausdruck davon, dass man jemandem wichtig ist. Und dieses Gefühl stärkt Kinder und Erwachsene.
  • Wenn Kinder immer das Neueste und Aktuellste haben müssen und diese Dinge dann auch bekommen, fördert man ein Suchtverhalten, mit dem man vielleicht dann auch im Erwachsenenalter zu kämpfen hat.
  • Unter Kindern gibt es bereits im Kindergarten den Druck, wer was besitzt. Besser ist es aber, wenn Kinder sich nicht durch Gegenstände „Wert“ verschaffen, sondern durch ihre Eigenschaften, Stärken und ihre persönliche Individualität.
  • Nicht alle Menschen haben die Möglichkeit, das Tollste und Neueste zu verschenken, weil ihnen schlichtweg das Geld dazu fehlt.
  • Um Gebrauchtes verschenken zu können, sollten es Dinge von guter Qualität sein. Der Kaufpreis war deshalb wahrscheinlich einmal höher, aber es kann sich auch noch jemand anderer daran freuen. Das tut auch der Umwelt gut.

Erzählungen von Freude an Gebrauchtem

Zur Kampagne inspiriert wurden die Kinderfreunde OÖ durch die Erzählung von Ahmet: „Besonders cool waren die Sachen von meinem Cousin. Er ist sieben Jahre älter als ich und als Kind war er mein Vorbild. Wenn ich dann Spielsachen bekommen habe mit denen er schon gespielt hat, war das immer etwas ganz Besonderes.“ erzählt der heute 20-Jährige. „Wenn ich meinen Enkerln etwas von meinen Spielsachen schenke, dann ist das immer etwas ganz besonderes für sie.“, freut sich Kurt. Und Sarah meint: „Etwas Gebrauchtes schenken ist ok, wenn das Geschenk noch voll funktionsfähig und in Ordnung ist. Man darf ruhig sehen, dass etwas repariert wurde.  Aber abgenutzte, schmutzige, unvollständige Geschenke sind kein Ausdruck von Wertschätzung und machen traurig.“

Nachdenken vorm Schenken

Einige Kriterien müssen aus Sicht der Kinderfreunde erfüllt werden, um erfolgreich „Gebrauchtes“ zu schenken. Das, was man verschenkt, soll schon einmal Freude gemacht haben und es soll zum beschenkten Mensch passen. „Ich merke ob jemand nachgedacht hat, was mir Freude machen könnte. Das macht das Geschenk besonders schön. Hat das Geschenk meine Lieblingsfarbe, nimmt es Bezug auf mein Hobby oder geht es auf einen Wunsch ein, den ich einmal ausgesprochen habe, dann macht das große Freude. Ob das Geschenk gebraucht ist oder nicht, tut nichts zur Sache.“, sagt Sophie dazu.

Darüber reden

Werden nicht die eigenen Kinder beschenkt kann man sicherheitshalber mit Eltern vorab abklären, ob das Verschenken von gebrauchten oder selbstgemachten Spielsachen in Ordnung ist. Die Eltern sollten das Thema mit ihrem Kind besprechen. Wenn es nichts dagegen einzuwenden gibt, kann man z.B. auf die Einladung zu einem Geburtstagsfest schreiben, dass sich das Geburtstagskind auch über Dinge freut, die schon jemand anderem Spaß gemacht haben.

Was man loswerden will …

Und das ist wahrscheinlich noch ein wichtiger Punkt: Ist es etwas mit dem man selbst nichts anzufangen wusste, merkt man das beim Weiterschenken. Diese Dinge gehören dann trotzdem nicht in den Müll, man gibt sie besser zu Sammelstellen der Volkshilfe, Caritas, zu Tauschbörsen und ähnlichem. Oder man fragt im Bekanntenkreis, ob jemand etwas damit anfangen kann.

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